© 2018 Dr. Christine Günther

I. Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Zur Erfassung der komplexen Symptomatik bei ADS / ADHS ist eine ausführliche Diagnostik der bei dieser Störung in Frage kommenden möglichen kognitiven und emotionalen Beeinträchtigungen sowie Störungen der Persönlichkeit erforderlich, die durch die Kassenabrechung nicht in jedem Fall möglich ist.
Das können zum einen Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit bzw. von Teilaspekten der Aufmerksamkeit und Konzentration und zum anderen Symptome von Hyperaktivität und Impulsivität sowie Anpassungs-störungen im Sozialverhalten, Desorganisation, Stimmungsschwankungen und andere sein. Je nach Störungsschwerpunkt kommen unterschiedliche Tests zur Erfassung der Symptomatik in Frage.


1. Vordiagnostik

Spezifische ADHS-Fragebögen werden im Vorfeld in der Praxis vom Patienten bearbeitet.

Dauer: 30 bis 45 Minuten


2. Neuropsychologische Diagnostik

A. Allgemeine Intelligenzdiagnostik zur Erfassung verbal-sprachlicher und handlungspraktischer Fähigkeiten.

Ablauf:
Durchgeführt werden 9-14 Untertests aus dem Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE) und der Gesamtwert (IQ) errechnet. Erstellt wird ein differenziertes Fähigkeitsprofil.

Verbalteil: Wortschatz-Test, Gemeinsamkeiten finden, Rechnerisches Denken, Zahlennachsprechen, Allgemeines Wissen, Allgemeines Verständnis, Buchstaben-Zahlen-Folgen.

Handlungsteil: Bilderergänzen Zahlen-Symbol-Test, Mosaiktest, Matritzen-Test, Bilderordnen, Symbolsuche, Figurenlegen.


B. Neuropsychologische Diagnostik

Mnestische Funktionen (Gedächtnis):
Arbeitsgedächtnis (reizgesteuerte Informationsverarbeitung); verbales und nonverbales Kurzzeitgedächtnis; mittelbares Gedächtnis für verbales und visuelles Material und evt. weitere Gedächtnisfunktionen je nach Störungsbild

Aufmerksamkeit und Konzentration:

Aufmerksamkeitsaktivierung, kurz- und längerfristig
kurzfristig:
phasische Alertness (Fähigkeit zur Steigerung des Aufmerksamkeitsniveaus in Erwartung eines Warnreizes)

längerfristig:
Daueraufmerksamkeit oder Vigilanz (Fähigkeit, über einen längeren Zeitabschnitt (30 Minuten) die gerichtete Aufmerksamkeit einem Inhalt bzw. einer Reizquelle zuzuwenden

Fokussierte Aufmerksamkeit
Konzentration im engeren Sinne, d.h., die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zielgerichtet und gebündelt einer Reizquelle, z.B. einem Text, Gesprächspartner oder dem Straßenverkehr, zuzuwenden. Eine verminderte Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsfokussierung oder Konzentration geht mit einer erhöhten Ablenkbarkeit
einher.

Geteilte Aufmerksamkeit
Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zwei Reizquellen zeitgleich zuzuwenden, z.B. Autofahren und zeitgleich eine Unterhaltung mit dem Beifahrer zu führen.

Wechsel des Aufmerksamkeitsschwerpunktes Fähigkeit, den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit zielgerichtet und situationsangepasst von einer Reizquelle abzuziehen und einer anderen zuzuwenden.

Nach Bedarf Überprüfung der Sinnesfunktionen (Sehen, Hören etc.)

Kurzscreening für intellektuelle und exekutive Funktionen:

Die letzteren umfassen z.B. Informationsverarbeitungs-vorgänge, die das Verhalten steuern, d.h. sie umfassen Vorgänge, bei denen abgewogen wird, auf welchen Reiz reagiert und welche Handlung dabei ausgeübt werden soll. Voraussetzung ist die Fähigkeit zur Impulskontrolle, d.h. die Fähigkeit, Impulse zurückzustellen und einer gedanklichen Bearbeitung im Arbeitsgedächtnis zu unterziehen, bevor sie in Handlungen umgesetzt werden. Diese sind insbesondere bei ADS/ADHS sehr oft auffällig. Es kommen adaptiv eingesetzte verschiedene Verfahren zur Anwendung (siehe auch Punkt b unter IV).


Je nach Störungsschwerpunkt kommen zur Überprüfung dieser Funktionen verschiedene Testinstrumente zum Einsatz.

Dauer: ca. 150 Minuten bzw. länger

 


3. Interview

Erfassung von für die Diagnose relevanter anamnestischer persönlicher Daten, z.B. Schulzeugnisse, die für eine ADHS sprechen könnten; Angaben zu komorbiden Störungen (das sind Störungen und Erkrankungen, die neben der ADS/ADHS vorhanden sind) wie .z.B. psychische Begleit-störungen und Symptome, Depressionen, manisch-depressive Erkrankungen, Zwänge, Süchte, usw. und weitere diagnoserelevante Angaben.

Dauer: ca. 50 Minuten bis 70 Minuten

 


4. Befunderstellung

je nach Anforderung

 

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte!

5. Aufgrund des erheblichen Umfanges einer solch gründlichen Untersuchung  und deren Auswertung ist eine Kassenabrechnung leider nicht möglich.

Für Kassenpatienten belaufen sich die Kosten auf ca. 280-320 €.

Für Privatpatienten erfolgt die Abrechnung über GOÄ (Gebührenkatalog) nach Erstellen eines Kostenvoranschlages.

Zur Prüfung der Abrechnungsfähigkeit können gesetzlich Versicherte von uns ebenfalls einen Kostenvoranschlag erhalten, den sie zur Prüfung der Kostenrückerstattung bei ihrer Krankenkasse

einreichen können.